Chaos im geregelten Leben

Es ist Samstag abend und ich schreibe an meinem Blog. Was sagt das aus ? Richtig, ich bin langweilig.

Aber das ist – mal wieder – nur ein Teil der Wahrheit. Im Grunde sieht man ohnehin nie die ganze Wahrheit, denn was Wahrheit ist und was Illusion sieht man oft auch nicht wenn man mit der Nase dagegen stößt.

Dieses war wohl eine der furchbarsten und spannensten Wochen seit langem. Das Dumme bei sowas ist, dass man anscheinend im Leben immer die Guten und Schlechten Geschehnisse nur im Doppelpack bekommt. Und das man irgnedwann im Chaos der Gefühle und Eindrücke den Überblick verliert… Mein Tauchlehrer hat mir mal von der Taucherkrankheit erzählt, bei der Taucher senkrecht in die Tiefe schwimmen, den Fischen ihre Luft abgeben wollen und gegen alle Intelligenz und Erfahrung genau das Gegenteil dessen tun, was man machen sollte. Ich habe das nie geglaubt bis zu dieser Woche. Das Problem ist nur: Die Woche ist nicht rum, sie wird auch noch lange andauern, es wird eine lange Woche werden, vielleicht die längste. Und ich weiss nicht ob ich nach oben schwimme oder nach unten. Ich habe die Orientierung im Leben verloren und traue den Lichtern nicht die in der Ferne scheinen, weil ich nicht weiss ob sie wahre Richtungszeiger sind oder Fallen in der Tiefe.

In dieser Phase der Unsicherheit und der Verwirrtheit.. da suchen wir den Sinn im Ganzen… den berühmten Sinn des Lebens…

Falls es interessiert (und da Du diesen Blog liest scheint es Dich zu interessieren) hier einige Gedanken dazu. Ist vielleicht ein wenig lang und dennoch ist es nicht abgeschlossen. Ich arbeite noch daran 🙂

Der Sinn des Lebens ist die Grundfrage der Existenz der Menschen. Niemand kennt ihn und doch leben wir ihn alle jeden Tag und können es nicht begreifen.

Ist der Sinn des Lebens die Liebe ? Ist es der Hass ? Man will die erste Antwort wählen und die zweite verdammen, weil nicht sein kann was nicht sein soll. Doch ist es so abwegig den Hass als Sinn des Lebens anzuerkennen ? Ist der Hass soviel anders als die Liebe oder bedingen sich diese beiden Gefühle, weil es das eine ohne den anderen nicht geben kann, wie es keine Freude ohne Trauer, keine Freundschaft ohne Feindschaft, keinen Tag ohne Nacht geben kann ?

Der Grund warum die Menschen den Sinn des Lebens suchen ist vielleicht aber einfach, dass wir nicht wahrhaben wollen, dass der Sinn unseres Daseins in sich selbst beruht. Wir nehmen das Dasein der Natur, der Pflanzen und Tiere um uns als gegeben hin und hoffen, erwarten, dass wir anders sind, mehr Wert, einen Sinn haben, den zu erforschen unser Gehirn nicht in der Lage ist. Haben wir mehr Wert als ein Baum, den wir fällen um zu heizen, als ein Tier das wir töten um zu essen, um zu leben ? Ist nicht der Widersinn des Lebens, dass man anderes Leben beenden muss um das eigene zu erhalten ? Ist hier der Widerspruch den wir alle spüren und jeden Tag leben, der uns aber zu fern und zu nieder scheint als das wir ihn anerkennen als Teil unserer Existenz ? Beruht unser Leben nicht auf dem Widerspruch seiner selbst ?

Es scheint zu banal und doch kann man es nicht von der Hand weisen, dass wir auf Widersprüchen basieren und unser ganzes Leben eigentlich daraus besteht diese Widersprüche und Gegensätzlichkeiten in eine Balance zu bringen, zu versuchen die Gegensätze gegeneinander auszuspielen in einem gigantischen Akt der Selbsttäuschung, der Suggestion, die verdecken soll was wir ahnen und nicht wissen wollen, das aber in uns ist und wir jeden Tag darauf stoßen, nur um es sofort in die nächste Ecke zu schieben, in eine Ecke die wir nicht einsehen können für den Moment und dadurch den Schein des freien Willens wahren ?

Der Mensch hat Angst vor dem Tod. Er versucht ihm zu entgehen, erfindet neue Medikamente und Heilmethoden, klammert sich vergeblich ans Leben und weiss doch, dass es endlich ist und sein muss. Unser Dasein beruht auf dem Kommen und Gehen von Leben und Tod. Es ist unabdingbar, dass diese beiden Eckpunkte unser Dasein jederzeit bestimmen. Es ist die Strecke, deren Entfernung voneinander wir nicht kennen und vor dessen Ende wir Angst haben weil wir nicht wissen können was kommen mag. Wäre die Angst kleiner wenn wir wüssten was kommt ? Ist der Sinn der Religion der Versuch eine Antwort zu geben auf diese Angst ? Suchen wir nach einer Macht die über uns steht, die mehr weiss als wir, die wir dann verantwortlich machen können für unser Dasein und unseren Tod, der wir diese Last geben können die uns jeden Tag auf den Boden drückt ? Ist dies was den Menschen einzigartig macht in der Natur, dass wir Menschen den Sinn des Lebens suchen und imaginäre Geisteswelten aufbauen können, denen wir dann die Verantwortung zu einem Gutteil abgeben können um nicht die ganze Last des Lebens tragen zu müssen ? Was wäre der Mensch ohne diese Geisteswelt ? Immer noch ein Mensch oder ist es Teil von uns Menschen, uns diese Geisteswelt zu schaffen, ist es Teil von uns wie es Teil von uns ist zu suchen ohne zu finden ?

Der Mensch sucht und weiss doch, dass er nicht finden kann. Und er nimmt Drogen um zu vergessen was er sucht. Es sind Drogen wie Liebe und Arbeit, Familie und Kultur. Drogen die wir nehmen, weil wir dadurch für einen Moment den Sinn des Moments zu finden erhoffen und glauben, dass dieser Moment das Leben sein kann. Man sucht einen Partner dem man Gefühle übergeben kann, von dem man Gefühle zurückbekommt, wie Seile, die einen an den anderen fesseln um den Sinn nicht zu verlieren. Wir sezieren einander mit Gedanken, erforschen uns und wollen doch nicht sehen, weil wir in uns wissen, dass wir nur neue Fragen finden werden aber keine Antwort die über den Moment hinausgeht. Und mit jeder Frage werden die Bande schwächer und der Geist kann sich am inneren des anderen nicht festhalten, kann die Fragen des anderen nicht als Antwort deuten, kann nicht verstehen, dass die Fragen des anderen ein Teil der Antwort sind die wir suchen, so wie unsere Fragen für den anderen Teil der Antwort sind.

Der Sinn des Lebens besteht nicht aus einer Antwort. Er besteht aus Fragen, Fragen die wir uns stellen, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, unbewusst, undefiniert, unerkannt und doch allgegenwärtig, weil unser Dasein auf diesen Fragen beruht, weil wir uns jeden Tag in Frage stellen um dadurch die Antwort zu finden die unser Lebensziel ist und der wir jeden Tag einen Schritt näher kommen und doch durch jede neue Frage uns auch wieder von ihr entfernen. Es ist ein lebenslanger Kampf den zu gewinnen wir nicht in der Lage sind weil wir nicht wissen das wir eigentlich gegen uns selbst ankämpfen, ein mentales Schattenboxen, dass uns nicht vorwärts bringt aber uns doch davor bewahrt stehen zu bleiben.

Es ist die Hoffnung jedes Menschen eines Tages einen Schritt zu machen der uns die Antwort am Horizont der Erkenntnis erahnen lässt, uns eine Richtung gibt in die wir unser Leben lenken sollen, lenken können, auf ein Ziel ausgerichtet welches wir sehen können. Es ist diese Hoffnung, die uns dazu bringt jeden Tag aufs neue den Kampf mit uns selbst aufzunehmen, diese schwindende Hoffnung auf den großen Schritt, die uns erlaubt die Rückschritte im Leben zu verkraften, die wie ein Sandsturm auf uns einschlagen, ohne uns eine Chance zu geben auszuweichen. Wie stehen wir eine Galionsfigur vor unserem eigenen Leben und lenken uns durch den Sturm des Lebens, ohne den Kurs wirklich zu bestimmen. Und bei jedem Wellenbrecher der uns überrollt, bei jedem Sandkorn das uns trifft, uns den Atem nimmt, uns das Gefühl der Chancenlosigkeit gibt im Kampf gegen die Naturgewalten des Lebens, die doch nur aus uns selbst kommen, die wir aus uns heraus freilassen und uns von ihnen begraben lassen um doch den Kopf wieder herauszustrecken und der nächsten Welle ins Gesicht zu sehen die uns wieder überrollen wird, uns in die Tiefen des Daseins hinabdrücken will und wird, und die wir fürchten weil wir nicht wissen wann sie uns treffen wird, wie tief sie uns drücken wird, ob wir wieder den Kopf am Ende nach oben strecken werden oder wir die Orientierung verlieren werden im rauen Wasser der Zeit, ob wir nach unten schwimmen und den Grund für den Himmel halten und schließlich in uns selbst ertrinken.

Und doch ist es die Hoffnung auf den Rettungsring der Antwort auf das alles, die uns wieder nach oben schwimmen lässt, um auf die nächste Welle zu warten, die wir durchstehen wollen und die uns doch wieder nach unten ziehen wird. Die Antwort die wir suchen ist der Rettungsring, doch es ist niemand da der ihn uns zuwirft. Es gibt keinen, der seine Hand hinunterstreckt und uns aus dem Ozean unseres Dasein zieht, weil es unser Ozean in uns selbst ist.

Ist die Antwort nach dem Sinn des Lebens einfach nur diese Hand ? Suchen wir einen Ausweg aus unserem eigenen Labyrinth, in dem wir uns verlaufen haben ? Wollen wir aus uns selbst entkommen und ist die Verzweiflung über die Erkenntnis der Ausweglosigkeit die Triebfeder unserer Suche nach dem was es nicht gibt weil wir diese Nichtexistenz nicht wahrhaben wollen, weil wir die Rettung so sehr ersehnen ohne zu wissen wie die Rettung aussieht ?

Was ist wenn die Rettung der Tod ist ? Wenn der Sinn des Lebens das Ende dieses Lebens ist ? Wollen wir diesen Sinn einfach nur nicht wahrhaben weil unser Verstand uns befiehlt nicht daran zu glauben das ein Ende der Anfang sein kann ?

Es ist die Ironie unserer Gesellschaft an eine Religion zu glauben, die das Leben nach dem Tod als Ziel des Daseins definiert und zugleich den Freitod als Sünde definiert die das Ziel in weite Ferne rücken lässt.

Wenn nun der Sinn des Lebens der Tod ist, wo liegt dann der Platz für Liebe ? Wenn das Leben auf den Tod ausgerichtet ist, wozu dient dann die Liebe in unserem Leben, die Liebe zu einer anderen Person, zu einem Ort, zu einer Melodie, die eine Saite unseres Daseins zum klingen bringt, die wir selbst nicht abspielen können und deren Ton uns doch die Möglichkeit des Abschaltens, des Ausruhens von dem Trieben der Gegenwart bietet.

Doch Liebe ist vergänglich, sie kommt auf uns, geht wie nach der Flut die Ebbe kommt, und wir wissen, dass sie wieder kommt, wir wissen nur nicht wann. Und das Leben geht weiter seinen Weg, und so sehr wir auch nach hinten sehen, es entfernt sich alles voneinander und kommt doch wieder. Ist Liebe nur der verzweifelte Versuch der Seele sich an jemanden zu klammern um die Fahrt des Lebens auf das ferne und beängstigende weil uns unverständliche Ziel zu verlangsamen ? Ist die Liebe dann eine Art Anker den wir auswerfen und hoffen, dass jemand ihn auffängt und uns festhält, uns Halt gibt, uns Schutz gibt vor der nächsten Welle ? Und ist nicht auch jedes Loslassen des Ankers eine neue Welle zugleich; ist also der Schutz den wir suchen der Grund für unsere Schutzlosigkeit ? Beruht die Ausweglosigkeit des Lebens auf der Tatsache, dass wir uns gegenseitig retten wollen und nicht verstehen, dass wir uns gegenseitig nach unten drücken um Luft zu kriegen ? Oder brauchen wir diese kurzen Momente der Ruhe um Kraft zu sammeln für die nächste Welle ?

Unsere Suche nach dem Sinn des Lebens führt uns vor neue Fragen. Und es ist unsere Aufgabe anzuerkennen, dass diese Fragen Teil der Antwort sind. Es ist unsere Aufgabe diese Fragen richtig zu verstehen, sie zu deuten, sie zu beantworten um am Ende aus all diesen Fragen die Antwort darauf zu finden was der Sinn der Fragen ist.

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