Taiga, Tundra oder die Segnungen des Samowars

Nein, aus Berlin ging es nicht direkt in die russische Wildnis, jene Region, die die wenigsten Deutschen gesehen haben, die aber doch durch die Schlagworte Taiga und Tundra bekannt wurde. Doch fragen sie mal jemand wo der Unterschied ist J

Es ist in der Weile der 22. November. 4 Tage liegen hinter mir seit der Airbus von German Wings mehr oder weniger sanft seine vielen Reifen auf Berliner Beton gestartet hat, seit ich eine Nacht in einem kleinen Hotel in Schönefeld verbracht habe, seit ich die anderen der „Reisegruppe Schuld“ vor dem Terminal D gefunden habe als da wäre: Marcel und Anastasia, sogesehen die Urheber oder zumindest der Hauptgrund der Reise, Marcels Eltern Ilse und Jochem (nein, kein Schreibfehler J), Cellis schöne Schwester Daphne und ihr Freund Sören (der Bär ;-)), Julia „Nato“ und unsere „Raupe“ Oli. (*gg*)

Während ich hier schreibe und dies auf einem kleinen Tisch in einem Schlafwagen – oder besser gesagt Massenschlafwagen – der russischen Eisenbahngesellschaft zieht draußen gleichmäßig und einladend die russische Landschaft vorbei. Es liegt Schnee, was mich besonders freut, hatten wir doch in St. Petersburg vor allem Nieselregen bei leichten Plusgraden. Sicher, es ist nicht viel Schnee und doch verspricht er ein wenig der vielleicdht kindlich-naiven Vorstellung eines fast 32 jährigen zu erfüllen. Wenn auch schon das restliche Russland dies verweigert… ich meine, kann sich jemand vorstellen, dass im Land des Vodkas jeglicher Konsum jenes ebenso himmlischen wie teuflischen Wässerchens streng verboten sein kann ? Ist es aber: hier im Zug. Man will es kaum glauben und doch – es ist ein grober und herber Strich durch die Abendplanung der Gruppe hier im Zug. Zumindest aber brennt der kostenlose Samowar und versorgt die Reisenden mit heißen Wasser, wenn man auch die Teebeutel selbst kaufen musste. Doch ich sollte etwas über St. Petersburg schreiben. Und da dies eigentlich ein eigenes Kapitel werden sollte darf ich jetzt auch eine Überschrift in den Text einfließen lassen:

Ein völlig unerklärliches Selbstbewustsein

Wer das Glück hatte bereits einmal die vom russischen Zaren Peter I anfang des 18ten Jahrhunderts geplanten und erbauten Stadt an der Neva zu sehen wird mir zustimmen: es ist schon fast zuviel. St. Petersburg ist voll von architektonisch faszinierenden Häusern, imposanten Gebäuden, interessanten Statuen, in den Himmel ragenden Säulen, Jugendstil-Brücken und natürlich als Peter dem Großen verkleidete Russen. Von letzteren abgesehen ein Fest für die Sinne beim Spazieren durch die Straßen der Stadt jene Vielfalt zu betrachten. Das Dumme ist nur: Diese Gebäude sind nicht einzeln verteilt und eingebunden in „normale“ Häuser wie man dies aus anderen Großstädten kennt: In St. Petersburg besteht das gesamte Zentrum aus solchen Bauten, so dass man irgendwann einfach innerlich abschaltet und den Nevski Prospekt mit ähnlich umbewegtem Gesicht herunterläuft wie all die Russen, die auf dieser Prachtstraße ein geschäftiges Treiben bis spät in die Nacht veranstalten.

Russland ist ein Land der Gegensätze. Ich fürchte man wird es nie verstehen – ich zumindest habe diesen Versuch längst aufgegeben und doch oder gerade deshalb muss ich gestehen, dass dieses Land in mir etwas berührt was ich bei allen Versuchen und Nachdenken nicht in Worte fassen kann. Vielleicht ist es auch gar nicht das wirkliche Russland was mich so fasziniert sondern die Erik-eigene Mischung aus Eindrücken, Erinnerungen, Erlebnissen, Erfahrungen und meiner aus Büchern und Geschichtsstudium herrührenden Vorstellungen (und Vorurteilen). Vermutlich ist es einfach der subjektive Eindruck der den Ausschlag gibt dieses Land zu lieben oder zu hassen. Ein Dazwischen mag es geben – allein ich kann es mir nicht vorstellen. Und doch – diese Kritik sei gestattet – wenn man sich dieses Land so ansieht, dann fragt man sich manchmal schon etwas, woher dieses Selbstbewusstsein eigentlich kommt, Russland sei eine Supermacht. Es ist aber eben ein Land der Gegensätze: Super reich – Bettel arm. Ein Augestellter, selbst in höherer Position kann es kaum zu dem Status wohlhabend bringen, von Reichtum ganz zu schweigen. Nehme man Nastjas Cousine Lena: Sie arbeitet als Managerin in einem Elektrohandel, verdient ca. 400 Euro im Monat und muss schon für die Wohnung – 1 Zimmer Küche Bad im Plattenbau am Rande von St. Petersburg – 250 Euro im Monat zahlen. Auf die entsetzte Frage warum dies hier so teuer sei kam die lapidare Reaktion: Es ist halt St. Petersburg.

Der geschätzte Leser wird nun alleine gelassen für einen oder zwei Momente. Der 2te Tee aus dem Samowar steht dampfend vor mir und der Hunger meldet sich. Der Zur rollt weiter durch die verschneite und langsam in das sanfte Licht der Morgendämmerung eingetauchte Landschaft. Es ist warm im zug. Der letzte Schläfer der Gruppe reckt den Kopf von der Liege. Guten Morgen im Nirgendwo.

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